Antiziganismus
Antiziganismus ist eine Form von Rassismus und Diskriminierung, die sich gegen Sinti* und Roma* sowie gegen weitere Menschen richtet, die in der Vergangenheit unter der abwertenden und stigmatisierenden Bezeichnung Z*** zusammengefasst wurden. Vorurteile und Diskriminierungen gegenüber dieser (vermeintlichen) Gruppe sind tief in der (deutschen) Geschichte, Gesellschaft und in unserem Denken verankert. Sie werden selten überdacht oder gar in Frage gestellt.
Dies führt dazu, dass die Vielfalt innerhalb dieser Minderheit unsichtbar bleibt und diskriminierende Strukturen gegenüber Sinti* und Roma* und weiteren betroffenen Menschen bis heute fortwirken können – zum Beispiel auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt oder auch im Kontakt mit öffentlichen Behörden und Verwaltungen.
Foto: alamy/imageBROKER/Egon Boemsch
Unser Ziel ist es, diese über Jahrhunderte gewachsene Dynamik zu brechen – durch die Sensibilisierung für die tief verwurzelten Vorurteile gegenüber dieser Minderheit in unserer Gesellschaft, durch Angebote für Begegnung und Empowerment sowie durch einen (selbst-)kritischen Blick auf das Verwaltungshandeln der Landeshauptstadt München.
Was machen wir konkret?
Wir möchten die sich immer wieder selbst stabilisierende Vorurteilsstruktur aufbrechen, gleichberechtigte Teilhabe ermöglichen und einen realistischen Blick auf die Münchner Sinti* und Roma* eröffnen.
Zu unseren Angeboten im Bereich Antiziganismus gehören:
Kooperationen & Projekte
Intensive Zusammenarbeit mit Sinti*- und Roma*-Selbstorganisationen. Wir stehen als Ansprechpartnerin für Anliegen zur Verfügung, die die Stadtverwaltung betreffen und fördern seit 2024 das Sensibilisierungs- und Empowermentprojekt SIRO München – Bildung, Begegnung & Empowerment, das von den Münchner Selbstorganisationen Romanity e.V. und Madhouse gGmbh gemeinsam getragen wird
Beratung & Expertise
Unterstützung der Stadtverwaltung und städtischen Einrichtungen beim Umgang mit dem Thema Antiziganismus, zum Beispiel durch Vorträge und Workshops
Information & Sensibilisierung
Vermittlung von Wissen und Förderung eines kritischen Bewusstseins in der Münchner Stadtgesellschaft für die Vielfalt der Münchner Sinti* und Roma* sowie zum Thema Antiziganismus, z.B. durch öffentlichkeitswirksame Kampagnen und jährliche Veranstaltungen zum Internationalen Sinti* und Roma* Tag am 8. April
Betroffenen von Antiziganismus stehen in München spezialisierte Anlauf- und Beratungsstellen zur Verfügung.
Mehr Infos hierzu unter www.muenchen-gegen-hass.de.
Arbeitsgrundlage
Wir arbeiten auf der Grundlage der Arbeitsdefinition Antiziganismus der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). Diese und andere Grundsätze unserer Arbeit wurden 2023 in einem Stadtratsbeschluss festgehalten. Durch wissenschaftliche Studien – speziell auch zur Situation in München – versuchen wir unsere Arbeit gegen Antiziganismus möglichst zielgenau auszurichten.
Begriffsverständnis
Der Begriff ‚Antiziganismus‘ ist umstritten, weil er die stigmatisierende Fremdbezeichnung Z*** enthält. Unter anderem in Anlehnung an den Politikwissenschaftler Dr. Markus End halten wir dennoch an diesem Begriff fest, da er deutlich macht, dass die zugrunde liegenden Stereotype und Vorurteile vor allem Projektionen der Mehrheitsgesellschaft sind. Außerdem zeigt der Begriff „Antiziganismus“, dass davon nicht ausschließlich Sinti* und Roma* betroffen sind – sondern auch Personen, die allein aufgrund ihres sozioökonomischen Status‘ oder Aussehen der konstruierten Gruppe der Z*** zugerechnet werden. Dies unterscheidet ihn von anderen Begriffen wie Antiromaismus/Antisintiismus, Rassismus gegen Sinti* und Roma* oder Gadjé-Rassismus.









